{"id":1794,"date":"2022-11-09T10:36:09","date_gmt":"2022-11-09T09:36:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.university-press.fau.de\/produkt\/saints-and-the-city\/"},"modified":"2023-11-28T12:41:31","modified_gmt":"2023-11-28T11:41:31","slug":"978-3-944057-29-3","status":"publish","type":"product","link":"https:\/\/www.university-press.fau.de\/en\/product\/978-3-944057-29-3\/","title":{"rendered":"Saints and the City"},"content":{"rendered":"<p>Heiligenkulte haben \u00fcber Jahrhunderte in mannigfaltiger Weise das Leben der St\u00e4dte und deren Erscheinungsbild gepr\u00e4gt. Mit der Verbreitung des Christentums im Mittelmeerraum und nach und nach auch im n\u00f6rdlichen und \u00f6stlichen Europa geh\u00f6rte die Verehrung von als heilig angesehenen M\u00e4nnern und Frauen zur geistigen Grundlage st\u00e4dtischer Gemeinschaften, die um die Verehrten ihre Identit\u00e4t als Gruppe von Gleichgesinnten bildeten.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zu den paradoxen Ph\u00e4nomenen des Selbstverst\u00e4ndnisses von Heiligen, dass sie in ihrem Umfeld als Ausnahmeerscheinungen, als Auserw\u00e4hlte handeln, aber ihre Singularit\u00e4t in Wirklichkeit notgedrungen \u00fcber eine soziale Dimension verf\u00fcgt, die nicht einmal durch deren ausdr\u00fcckliche, bisweilen exzessive Negierung (etwa bei Eremiten) v\u00f6llig getilgt werden kann. Der Heilige ist als animal sociale auf seine Umgebung angewiesen, auf die er im Sinne einer Neubegr\u00fcndung von Werten (conversio) zu wirken versucht. Das ist seine Aufgabe.<\/p>\n<p>Und dasselbe gilt selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls f\u00fcr jene Identifikationsfiguren aus fr\u00fcheren Zeiten, \u00fcber die oft \u2012 trotz der Bem\u00fchungen phantasiereicher Hagiographen \u2012 nichts anderes bekannt war, als dass sie die Vollkommenheit der vita christiana verk\u00f6rperten, und von denen die Gl\u00e4ubigen die irdischen \u00dcberreste aufbewahrten. Die Gr\u00e4ber der Heiligen pr\u00e4gten nicht nur das religi\u00f6se Leben der Menschen, die sich um sie scharten, sondern gestalteten auch den Raum, in dem diese lebten. Wo, wenn nicht in der Stadt, diesem lebendigen, sich in unaufh\u00f6rlicher Bewegung neu gestaltenden Schmelztiegel, konnte dies besser erfahren werden? Wo, wenn nicht in den civitates des vormodernen Europas, erreichte die Kompenetration von sozialem Gef\u00fcge und kultischen Ausdrucksformen einen derart formenden Ausdruck?<\/p>\n<p>Der vorliegende Band, der aus einer Erlanger Tagung f\u00fcr Jungwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vom 8. bis zum 10. Juli 2013 hervorging, bietet mehrere Fallstudien zur Ausformung dessen, was wir urbane Sakralit\u00e4t nennen d\u00fcrfen. Welche Z\u00fcge trug sie in christlichen Gemeinschaften seit der Sp\u00e4tantike? Welche Faktoren beeinflussten sie am Mittelmeer und im n\u00f6rdlichen Europa? Wie entwickelte sie sich \u00fcber die Zeit und welchen Einfluss \u00fcbte sie auf den politischen, sozialen und kulturellen Diskurs ihrer Akteure aus? Welche Medien kamen dabei zur Geltung? Das Spektrum der Tagungsvortr\u00e4ge reichte vom sp\u00e4tantiken Alexandrien bis zum fr\u00fchneuzeitlichen Palermo, von den s\u00fcditalienischen Zentren bis zur Reichsstadt K\u00f6ln. Sie verstanden sich ausdr\u00fccklich als Diskussionsgrundlage f\u00fcr Gespr\u00e4che \u00fcber die Fachgrenzen hinweg, was w\u00e4hrend der Tagung auch nicht ausblieb. Eingeladen waren Jungwissenschaftler aus mehreren Teilgebieten der Medi\u00e4vistik. Die Fachrichtungen Byzantinistik, Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte, Lateinische Philologie des Mittelalters, Romanistik und Theologie waren auf der dreit\u00e4gigen Erlanger Tagung vertreten, auf der die Einzelvortr\u00e4ge zum Teil kontrovers besprochen wurden.<\/p>\n<p>Die aus den m\u00fcndlich vorgetragenen Referaten hervorgegangenen schriftlichen Beitr\u00e4ge bezeugen unterschiedliche Qualifizierungsstufen.<\/p>\n<p>Der Herausgeber hat sich bewusst daf\u00fcr entschieden, alle eingegangenen Beitr\u00e4ge der Jungforscherinnen und -forscher in die Druckfassung aufzunehmen und sie mit zwei Texten von international anerkannten Spezialisten zu erg\u00e4nzen. Es schien wichtig zu sein, das intendierte Spektrum der Fachrichtungen und Methoden vorzustellen, das die Erlanger Zusammenkunft kennzeichnete (es sei mir einmal verg\u00f6nnt, den omnipr\u00e4senten, inzwischen f\u00fcr jedwedes Allerlei gebr\u00e4uchlichen Begriff der Interdisziplinarit\u00e4t zu unterdr\u00fccken). Die Einladungen nach Erlangen wurden n\u00e4mlich aufgrund eines Auswahlverfahrens mit dem Ziel ausgesprochen, wichtige Territorien und Epochen in der Geschichte der urbanen Sakralit\u00e4t christlicher Gemeinschaften vom 5. bis zum 17. Jahrhundert zu repr\u00e4sentieren. Angestrebt wurde zwar der gro\u00dfe Bogen, allerdings setzt er sich bekanntlich aus einzelnen, sorgf\u00e4ltig ausgearbeiteten Bauteilen zusammen. Die Autoren und der Herausgeber erheben deshalb keinen Anspruch auf eine wie auch immer enzyklop\u00e4dische Zusammenschau, sondern laden die Leser auf eine lange und, wie wir hoffen, anregungsreiche Reise durch die christlichen Gesellschaften von der christlichen Sp\u00e4tantike bis zur Fr\u00fchmoderne ein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiligenkulte haben \u00fcber Jahrhunderte in mannigfaltiger Weise das Leben der St\u00e4dte und deren Erscheinungsbild gepr\u00e4gt. 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